Werner Finck - Alter Narr was nun?

Kabarett-Klassiker mit dem Meister der Halbsätze
Werner Finck (1902-1978), Meister des hintergründigen Humors und Urgestein des deutschen Kabaretts in bisher unveröffentlichten Fernsehauftritten. Seine Lust an Witz und Widerspruch, seine Kunst, mit Halbsätzen und Doppeldeutigkeiten zu jonglieren war den Nazis verdächtig. Im Berliner Kabarett „Die Katakombe“ spottet Finck mit raffinierten Andeutungen über die Nazis, bis das Kabarett 1935 auf Anordnung von Goebbels geschlossen wird. Doch auch im demokratischen Nachkriegsdeutschland eckt Finck mit seiner ketzerischen Zeitkritik an. Mit „schlafwandlerischer Sicherheit entdeckt er das Komische im Ernst“ (Finck über Finck). 1972 veröffentlicht Werner Finck seine Autobiographie „Alter Narr, was nun?“,  eine Lebensgeschichte aus kabarettistischer Sicht, die zum Bestseller wird. Diese DVD enthält die ungekürzten Fernsehsendungen „Am besten nichts Neues“ (ORF 1967, 53 Minuten) und „Alter Narr, was nun?“ (WDR, 1973, 45 Minuten) sowie ein Interview mit Werner Finck (WDR, 1965,  25 Minuten).
DVD mit Booklet, Gesamtlänge: 128 Minuten, Bildformat: 4:3

KAUF-DVD OHNE VERMIETRECHT


Pressetext:
Als Schüler war er immer der Schlechteste. Seine Zeugnisse enthalten „Tadel wegen albernen Betragens“, „Zerfahrenheit, Liederlichkeit und Unaufmerksamkeit“. Finck vermittelt im Interview der WDR-Reihe „Als sie noch jung waren“ einen Eindruck davon, welch bedrückende Stimmung damals an den Schulen herrscht. Widerspruchsgeist, Originalität und Kreativität gelten als Verstöße gegen die Schulordnung.
Es folgt ein Studium an der Kunstgewerbe-Akademie in Dresden. Zur Finanzierung des Studiums arbeitet Finck zeitweise im Kohlebergwerk. Mit Gedichten für Tageszeitungen verdient er sein erstes Geld. Er beschließt Vortragskünstler zu werden und reist als „Wandervogel“ und Märchenerzähler durchs Land, tritt in Schulen und Jugendlagern auf. Er nimmt Schauspielunterricht und bewirbt sich an Provinztheatern: Als er den Hamlet vorspricht, wird er sofort engagiert - als Komiker. Er tingelt einige Jahre von Theater zu Theater, doch je größer die Häuser werden, desto kleiner werden seine Rollen. Schließlich hat er „das ganze Theater satt“ und zieht nach Berlin: Dort gründet er mit anderen Schauspielern das Kabarett „Die Katakombe“. Das Kabarett wird ein großer Erfolg. 
Nach der Machtübernahme der Nazis muss jederzeit damit gerechnet werden, dass „Die Katakombe“ verboten wird. „Gestern waren wir zu, heute sind wir offen, wenn wir heute zu offen sind, sind wir morgen wieder zu“, sagt Finck. Inzwischen hat er seine Technik perfektioniert, Kritik in Andeutungen und Zweideutigkeiten zu verpacken. Denn immer öfter sitzt die Gestapo in den Vorstellungen: „Mich rettete nur, dass die nicht zweideutig übersetzen konnten.“ Immer wenn besonders laut gelacht wird, vermuten die Politspitzel Verdächtiges und schreiben mit. Finck reagiert: „Spreche ich zu schnell? Kommen sie mit? Oder soll ich mitkommen?“
In einem Bericht an Propagandaminister Goebbels heißt es: „Der künstlerische Leiter der „Katakombe“, Werner Finck, (…) ist zweifellos ein typischer Vertreter jenes überspitzt intellektuellen und zersetzend wirkenden Literatenklüngels, der im nationalsozialistischen Staat keine Daseinsberechtigung mehr hat.“
Dabei ist die Kritik an den Nazis eher harmlos: Hitler halten die Kabarettisten für einen Verrückten. Nach dem Sketch „Das Fragment vom Schneider“ (ebenfalls auf der DVD) ist für Goebbels das Maß voll. Er will seinen Intimfeind Finck loswerden und lässt „Die Katakombe“ 1935 schließen. Finck wird für einige Wochen im KZ Esterwegen inhaftiert. Er wird aus der „Reichskulturkammer“ ausgeschlossen und erhält für ein Jahr Auftrittsverbot. Um der weiteren Verfolgung durch Goebbels zu entgehen meldet sich Finck freiwillig zum Dienst in der Reichswehr und wird Soldat. Auch an der Front wird er für „bunte Abende“ verpflichtet – sehr zum Ärger von Goebbels. Mehrere Versuche des Propagandaministers, Finck für „wehrunwürdig“ erklären zu lassen, misslingen. 
Aus der „Katakombe“ gehen zahlreiche erfolgreiche Schauspieler und Regisseure hervor: Rudolf Platte, Theo Lingen, Rudolf Schündler, Hans Deppe, R.A. Stemmle u.v.a.
Nach dem Krieg genießt Werner Finck die wiedergewonnene Freiheit: „Unbeschreibliches Gefühl, nach so vielen Jahren wieder schreiben und widersprechen zu dürfen!“ Er gründet die Satirepartei „Die radikale Mitte“. Sie setzt sich für den Schutz der Persönlichkeit gegenüber staatlicher Willkür ein, fordert die „Aufrüstung der Toleranz“ und „die Beseitigung aller Personen im öffentlichen Leben, die an chronischer Humorlosigkeit leiden.“ Zu den Unterstützern gehören Carlo Schmid und der spätere Bundespräsident Theodor Heuss. Werner Finck wird zum populärsten Kabarettisten und Zeitkritiker der Nachkriegszeit. Seine Ansichten zur Wiederbewaffnung tragen ihm heftige Kritik der regierenden CDU ein. Als wachsamer Geist begleitet er die Politik bis in die 70er Jahre. In den 50er und 60er Jahren tritt er in zahlreichen Filmkomödien in Nebenrollen auf. 
1972 veröffentlichte er seine Lebensgeschichte „Alter Narr, was nun?“. Auszüge daraus sind in der gleichnamigen WDR-Sendung von 1973 zu sehen. Um seine Erfahrungen im Dritten Reich geht es auch in dem Programm „Am besten nichts Neues“, das 1967 in Wien aufgezeichnet wurde. Der ORF wagt eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Form: Nicht hier die Bühne für den Künstler, dort der Zuschauerraum – in dieser Sendung sitzen die Zuschauer wie in einem Kaffeehaus an Tischen, essen, trinken, rauchen (!) und Finck wandert zwischen ihnen herum, reagiert auf sie, spricht sie an. Gleich zu Beginn lobt Finck den Mut der Fernsehmacher zur Improvisation – in Deutschland wäre so etwas undenkbar. Denn da bestimmt die Technik, wo der Künstler zu stehen hat. Wie zum Beweis dafür erscheint da sechs Jahre später die Sendung des WDR: Bei „Alter Narr, was nun?“ sitzt Finck auf der Bühne, die Zuschauer ihm gegenüber auf theaterähnlichen Rängen. 


Zitate über Werner Finck: 

„Frech, dummdreist, arrogant und taktlos“ (Propagandaminister Joseph Goebbels über Werner Finck)

„Das christliche Bayern kann nur empört sein“ (Stellungnahme der CSU zu einer Rundfunksendung mit Werner Finck, 1950)

„Wenn ich überhaupt eine Begabung habe, dann die, mit schlafwandlerischer Sicherheit das Komische im Ernst zu entdecken und damit zu blamieren“ (Finck über Finck)