Das HB-Männchen

und seine Abenteuer

2 DVDs, Farbe und s/w, Länge ca. 200 Minuten
Neuauflage von 2013

15,00 

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Das HB-Männchen – über 222 historische Zeichentrick-Spots!

27 Jahre lang begeisterte das HB-Männchen „Bruno“ die Zuschauer. Keiner tobte schöner, richtete mehr Chaos an, war in seinen Wutanfällen komischer. Wie der Bundesbürger kämpfte er mit den Tücken neuer Produkte, verfluchte Rasenmäher und Wandschränke, zerdepperte Vasen und Weinflaschen bevor er wutschnaubend „in die Luft ging“.

Trickfilmregisseur Roland Töpfer schuf mit dem quirligen Quengler eine der genialsten Zeichentrickfiguren der Werbegeschichte. In den Extras dieser DVD schildert Töpfer, wie die Figur entstand, wie sie laufen und „sprechen“ lernte.

Die DVD-Box enthält zusätzlich eine DVD mit weiteren Trickfilmen von Roland Töpfer: witzige Werbeklassiker!

Wie das HB-Männchen entstand

Ende der 50er Jahre wurde in einer Münchner Werbefilmfirma eine Zeichentrickfigur entwickelt, die zur populärsten Werbefigur Deutschlands werden sollte: Das HB-Männchen, genannt „Bruno“. Erfinder und Trickfilmregisseur Roland Töpfer gestaltete mit seinem Team über 500 HB-Filme – von 1957 bis zur Einstellung der Figur im Jahr 1984. Durch den täglichen Einsatz im Werbefernsehen – meist direkt vor der „Tagesschau“ – gehörte „Bruno“ sozusagen zur Familie.

Als Roland Töpfer den ersten HB-Mann entwarf, war er 27 Jahre alt. Als die Zeichentrickserie eingestellt wurde, war das HB-Männchen 27 Jahre alt – es wurde zur langlebigsten Werbefigur Deutschlands.

Technik

Bis zu 300 sogenannte Hauptphasen mussten für einen Werbespot gezeichnet werden. Die Hauptphasen enthalten jeweils die Eckpunkte der Bewegungen. Zwischenphasen-Zeichner füllen die Bilder zwischen den Hauptphasen später mit noch einmal einigen hundert Zeichnungen aus. Etwa sechs Wochen Arbeit steckten in einem einzigen Werbespot. Roland Töpfers geniale Beobachtungsgabe für menschliche Schwächen und sein außergewöhnliches zeichnerisches Talent ließen sein HB-Männchen zu einer witzigen Karikatur des gehetzten Bundesbürgers werden.

Vorgänger

Töpfer ließ den hektischen kleinen Kerl immer mit der Tücke des Objekts kämpfen, um ihm dann mit einer Zigarette die Lösung all seiner Pein zu bescheren. Doch Bruno hatte verschiedene Vorgänger. Zunächst wurden Werbefilme mit „echten“ Schauspielern gedreht, die den gestressten Bundesbürger mimten. Das war nicht sehr überzeugend, und witzig schon gar nicht. Den Realdarstellern folgte ein nervöses Strichmännchen mit dickem Bauch und Glatze, das einen typischen Geschäftsmann der 50er Jahre darstellen sollte. „Brentano“ nannten ihn die Werbefilmer, weil er dem damaligen Außenminister ähnlich sah.

Eine neue Figur muss her

Bisher waren alle Werbefilme für das Kino entstanden. Als das Werbefernsehen aufkam, musste eine andere Figur erfunden werden, denn das Fernsehen sendete nur in schwarzweiß und die Bildschirme waren klein. Es musste also eine Figur sein, die ganz grob gezeichnet war mit nur wenigen Grauwerten. So entstand die Figur mit der großen Nase. Bruno war ein echter Glücksfall für die Trickfilmer. Keiner von ihnen ahnte damals, dass die Figur mal so lange laufen würde.

Kleine Katastrophen

Bruno geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Die typischen Missgeschicke des Alltags werden in den Spots auf die Spitze getrieben. Wie der Bundesbürger erlebt Bruno das Wirtschaftswunder und kann seine Wutanfälle an vielen neuen Produkten ausprobieren. „Schadenfreude ist die beste Freude“, sagte sich der Zeichner und verpasst Bruno so manch blaues Auge.

Der Aufbau der Spots war immer gleich: Noch bevor Bruno zu sehen ist, hört man drei charakteristische Schritte „Tack, tack, tack“. Die Melodie „Freut euch des Lebens“ pfeifend kommt Bruno ins Bild und ab dann geht erst einiges zu Bruch und dann Bruno in die Luft. Besonders die neue „Do-it-yourself-Welle“ bietet eine Fülle von Pannen an, beim Werkeln, Sägen, Bohren oder Anstreichen.

Fanpost

Viele Zuschauer erkannten sich in den Spots wieder und schickten Briefe mit Vorschlägen, was dem Männchen noch alles passieren könnte. Doch auf die meisten Vorschläge antworteten die Trickfilmer: „Tut uns leid – aber den Film gibts schon.“ Ein Beweis, wie nah man mit den kleinen Katastrophen-Stories an der Erfahrungswelt der Zuschauer war. „Bei den Zuschriften ist uns aufgefallen, dass keiner der Zuschauer bemerkt hatte, dass Bruno immer allein ist. Da kamen z.B. Vorschläge wie: das Männchen auf einer Party, mit Familie oder mit Hund. Aber das ging nicht, unser Prinzip war, Bruno immer allein auftreten zu lassen. Am Anfang war es Zufall, dann war es Absicht. Auch bei Szenen auf sehr belebten Plätzen ist er nur allein zu sehen. Beispiel: Bruno kommt zu spät zum Bahnhof. Aber auch da gibt es keine anderen Reisenden. Man hört nur das Knipsen der Fahrkarte. Das einzige, das wir später mal dazu genommen haben, war eine Fliege, Wespe oder Mücke, die ihn aufregt. Sonst war es immer die Tücke des Objekts.“, erläutert Roland Töpfer die Grundidee der Serie.

Die Sprache

Wie ist Brunos merkwürdige Sprache entstanden? Dieses Gebrabbel, von dem kein Wort zu verstehen ist? Töpfer verrät ein Geheimnis: „Voraussetzung war: Bruno sollte fluchen, aber man sollte ihn auf keinen Fall verstehen können. Wir haben viele Versuche gemacht, es klappte nicht. Schließlich haben wir im Archiv eine Sprachaufnahme mit arabischem Text gefunden. Die haben wir rückwärts in drei verschiedenen Geschwindigkeiten kopiert, fertig war Brunos Sprache“.

Bedenkenträger

Trotz der erfolgreichen Werbefilme wird die Agentur im Laufe der Zeit immer ängstlicher: „Nein, das können wir doch nicht machen, der tut sich ja weh!“, heißt es. Deutlich wird die Trendwende bei Spots, die man Jahre später noch einmal produziert hat, z.B. „die Hängematte“. Version eins: Bruno spannt eine Hängematte zwischen zwei Bäumen. Als er frohgemut hineinspringt, reißt die Matte in der Mitte durch und er landet – rums! – unsanft auf der Nase. Version zwei: Bruno springt in die Matte, sie reißt auch diesmal, aber ein Kissen fällt vor ihm runter und Bruno landet sanft auf dem Kissen.

Bevor ein Film produziert wird, müssen die Trickfilmer die Handlung in ein paar Schreibmaschinenseiten zusammenfassen und der Agentur vorlegen. „Es wurde monatelang beraten, ob man das machen kann oder nicht. Dann wurden Einschränkungen und Abstriche gemacht und so ist mancher Gag auf Null runter diskutiert worden“, ärgert sich Roland Töpfer noch Jahre später.

Töpfer ist der Ansicht, dass die Wankelmütigkeit der Agentur Brunos Ende eingeläutet hat. “Wir durften auf einmal keine härteren Unfälle oder Katastrophen mehr darstellen, alles wurde verwässert und harmlos. Bruno durfte nichts mehr passieren, aber andererseits sollte ja etwas passieren. Machen Sie das mal, wo der doch immer alleine ist!” Bruno durfte zum Beispiel nicht beim Bergsteigen abstürzen, denn dann, so fürchtete die Agentur, könnte der Zuschauer meinen, “wenn die Markenfigur von HB stürzt, stürzt auch HB”. Töpfer: “So ein Blödsinn!” Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Kinofilme immer knalliger werden, wurde Bruno harmloser und netter.

Einschränkungen

Der eingängige Spruch „Greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst“ wurde später verboten: Als sogenanntes „Wirkungsversprechen“ verstieß er gegen deutsche Werberichtlinien. Und „Frohen Herzens genießen“ durfte man auch nicht mehr sagen, seitdem die gesundheitsschädigende Wirkung der Zigaretten längst nicht mehr zu leugnen war. Als 1972 die Fernsehwerbung für Zigaretten verboten wurde, hatte es das HB Männchen schwerer, sich zu behaupten. Im Kino erreichte man nur noch einen Bruchteil der Konsumenten.

Das Ende

Das HB-Männchen hatte die HB zur beliebtesten Zigarette Deutschlands gemacht, doch das wirkte sich in den 70ern zu ihrem Nachteil aus: HB war die Marke der Elterngeneration und von der wollte man sich abheben. Auch wenn Jugendliche sich im Kino immer noch auf die Schenkel klatschten, wenn Bruno auf der Leinwand auf die Fresse fiel, die Marke wurde deswegen nicht gekauft.

Versuche, Bruno ein zeitgemäßeres Image zu verpassen, werden verworfen. 1984 wird Bruno endgültig aus dem Verkehr gezogen. Als der Vater des HB Männchens nach einjährigem Krankenhausaufenthalt wieder in die Firma zurückkommt, ist das Trickatelier aufgelöst.

Warum wurde Deutschlands erfolgreichste Werbefigur 1984 eingestellt? „Die Wirtschaftswunderzeit war vorbei und jeder konnte seinen Toaster oder seine Kaffeemaschine bedienen, ohne dass ihm dabei irgendetwas um die Ohren flog. Früher hatte man mit dem HB-Männchen gelacht, weil es an neuen Geräten scheiterte, mit denen der Zuschauer auch nicht besser umgehen konnte. Später hat man über das Männchen gelacht, weil es mit ganz alltäglichen Geräten nicht fertig wurde. Bruno war eine „Looser“-Figur geworden, mit der sich keiner mehr identifizieren wollte. Unter dem Druck des Wettbewerbs war man gezwungen, eine zeitgemäßere Werbekampagne zu entwickeln“, erläutert Theo Breidenbach von der Werbeagentur Grey in einem Interview mit Wolfgang Dresler für die arte-TV-Sendung „Bruno hat Geburtstag – Deutschlands populärste Werbefigur“.

Aber: auch viele Jahre nach der Einstellung des HB-Männchens glaubten viele Kinogänger, ihn erst vor kurzem noch im Kino gesehen zu haben.

© Wolfgang Dresler 1992 / 2018
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