Hanns Dieter Hüsch – Edition

Sieben Kabarettprogramme aus drei Jahrzehnten

3 DVDs, Länge ca. 583 Minuten

25,00 

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Kaum ein Kleinkünstler konnte sein Publikum über so lange Zeit begeistern, zum Lachen und Nachdenken bringen. Der einzigartige Hanns Dieter Hüsch war viel mehr als nur Kabarettist – literarischer Komiker, Philosoph, Clown, Prediger, Poet und vor allem: Menschenfreund.Die aktuelle Tagespolitik hat HDH (zum Glück!) aus seinen Programmen herausgehalten, dadurch bleiben seine Kabarettprogramme zeitlos aktuell. Das Allzumenschliche, die großen und kleinen Fragen des Lebens sind seine Themen, mit scharfer Beobachtungsgabe, feinsinnigem Humor und unnachahmlichem Sprachwitz spürte er Komik und Tragik unseres Lebens nach.

„Hanns Dieter Hüsch ist einmalig. Er ist einmalig, weil er der Poet unter den Kabarettisten ist und weil er lieber Prediger ist als Agitprop. (…) dieser hochbegabte und versponnene und nie spinnert spinnende Hanns Dieter Hüsch, der die Liebe zu kleinen Leuten so erkennen lässt, dass wir ihn als einen großen Menschen wahrnehmen, dieser Hanns Dieter Hüsch ist ein Geschenk an uns und für uns alle.“
(Bundespräsident Johannes Rau, Laudatio aus Anlass des Bühnenabschieds von Hanns Dieter Hüsch am 16.12.2000)

„Ihm war in seinem Stil keiner gewachsen. Hanns Dieter ist für mich nach wie vor der einzige nicht langweilige Solo-Kabarettist. Das war nicht politisch, das war hoch-literarisch und so tief menschlich, dass viele Kabarettisten heute noch zu versuchen zu „hüschen“.
(Jochen Busse)

Diese DVD-Box mit drei DVDs enthält überwiegend Fernsehaufzeichnungen des SWR von sieben Kabarettprogrammen:

  • „Behagliche Kritik mit Unbehagen“ (1973, 52 Minuten)
  • „Das neue Programm“ (1982, 59 Minuten)
  • „Und sie bewegt mich doch!“ (1986, 58 Minuten)
  • „Am Niederrhein“ (1987, 58 Minuten)
  • „40 Jahre unterwegs“ (in zwei Fassungen: 1988, 44 Minuten und 1992, 142 Minuten)
  • „Feine Komödien – feine Tragödien“ (1991, 84 Minuten)
  • „Wir sehen uns wieder“ (1999, 86 Minuten).

In den Extras: „Elternhaus“ mit Studiogespräch mit HDJ über Kindheit und Jugend, die TV-Dokumentation „Die Akte Hüsch“ sowie ein ausführliches Gespräch mit Hüschs langjährigem Tourneeleiter Jürgen Kessler, heute Leiter des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz. Alle Beiträge wurden „digitally remastered“!

Interview mit Jürgen Kessler

Jürgen Kessler, ehemaliger Tourneeleiter von Hanns Dieter Hüsch und heute Leiter des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz, erinnert sich in einem Interview mit Wolfgang Dresler an die Zusammenarbeit mit Hüsch. Jürgen Kessler und Hanns Dieter Hüsch betrieben auch eine gemeinsame Künstleragentur, die damals noch nicht so bekannte Künstler wie Dieter Nuhr, Urban Priol oder Lars Reichow u.a. betreute. Im November 1969 begann die Zusammenarbeit von Jürgen Kessler und Hanns Dieter Hüsch. Seitdem betreute Kessler Hüschs Tourneen – bis zum Schluss.

Enthauptungen – eine Abrechnung

„Enthauptungen“ ist das erste Programm, das Kessler direkt miterlebt, aber „das habe ich zuerst überhaupt nicht verstanden“. Es war eine Abrechnung mit den Linken, die Hüsch wegen seiner zu unpolitischen Haltung attackiert hatten. Nachdem Hüsch auf dem Festival „Lied´68“ auf der Burg Waldeck ausgepfiffen worden war, wurden auch weitere seiner Auftritte von radikalen Linken gestört. Mit dem Spruch „Zwischentöne sind Krampf im Klassenkampf“ brachte Franz-Josef Degenhardt die intolerante Kritik an dem poetischen Kabarettisten auf den Punkt.

In den 60er Jahren ist es noch eine kleine Gemeinde in Deutschland, die zu Hüschs Auftritten kommt. In der Schweiz dagegen ist er viel bekannter, sowohl als Solist als auch mit seiner Gruppe „arche nova“ gastiert er oft wochenlang vor ausverkauften Häusern. In den 70er Jahren wohnt Hüsch auch überwiegend in der Schweiz. Während die Liedermacher-Szene in Deutschland blüht, haben es Kabarettisten damals schwer. Die „Lach- und Schießgesellschaft“ hört 1972 auf. Das bürgerlich-liberale Kabarett der 60er Jahre scheint am Ende zu sein. Doch in den 70er Jahren gibt es auch eine neue Chance für Hüsch: Der Saarländische Rundfunk bietet ihm die Moderation der Kabarettsendung „Gesellschaftsabend“ an, wo er sechsmal im Jahr die gesamte Kabarettszene zu Gast hat. Bis 2001 wird Hüsch der geschätzte Gastgeber des „Gesellschaftsabend“ sein.

30 Jahre Hüsch

„Hüsch war immer auch der Verletzliche. Er war der Spieler, Clown. Mit seinen Füßen, mit denen er sich 14 Jahren lang immer wieder Operationen unterziehen musste.“, erinnert sich Jürgen Kessler. Das Programm „30 Jahre Hüsch“ von 1978 wird das erste „wirkliche Erfolgsprogramm“. In den 80er Jahren wird Kabarett wieder populär, Hüsch tingelt durch die ganze Republik.

„Hüsch war auch im Alltag ständig komisch“. Den „späten Hüsch“ sieht Jürgen Kessler eher kritisch. „Das Programm `und sie bewegt mich doch´, 1984 entstanden und noch bis 1986 gespielt, das war eigentlich der Schlusspunkt seiner kleinkunst-philosophischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.“ Es ist ein eher ernstes Programm (damals war schon klar, dass Hüschs Ehefrau nicht mehr lange leben würde). „Danach hat er eigentlich das Interesse am Kabarett verloren. Aber auf der Bühne zu sitzen und Menschen zu begeistern, das hat ihn interessiert – aber kein politisches Kabarett.“ Trotzdem holt der stets politische Dieter Hildebrandt auch in diesen Jahren Hüsch immer wieder in seine Kabarettsendung „Scheibenwischer“, Hüsch ist neben Georg Schramm und Gerhard Polt sogar einer der häufigsten Gäste.

Am Niederrhein (1986-1989)

Gab es regionale Unterschiede, kam Hüsch unterschiedlich an, je nach Landstrich? „Ja! Ein Knaller war immer Aachen. Im Audimax der TU – ein sensationelles Publikum. Im tiefen Bayern oder in Baden Württemberg war es sehr viel zurückhaltender als im ganzen Bereich Nordrhein-Westfalen. In Hamburg etwas gedämpfter. In Berlin wurde am meisten bei den Kalauern reagiert, bei den politischen und literarischen Inhalten waren sie eher überfordert. Das waren die Eindrücke, an die ich mich erinnere. In Mainz war es immer sehr wohlwollend, `unser Sohn ist wieder da!´. In Moers übrigens, seiner Geburtsstadt, viel Ablehnung in den 70ern, sogar noch in den 80ern viel Ablehnung. Die haben sich erst spät daran erinnert, dass er ein Moerser Kind war.“ Inzwischen ist Hüsch Ehrenbürger von Moers – „aber auch das kam erst spät und war keine einhellige Meinung. Lange Zeit hat man in Moers Hüschs Niederrhein-Geschichten als `Nestbeschmutzung´ angesehen“, glaubt Kessler. „Einfach diese exakte Wiedergabe dessen, was ist. Wie die Menschen sprechen, was für ein Gesicht sie dabei machen, wie sie sich an der Kleidung zupfen. Die kleinbürgerlichen Küchen und Verhaltensweisen, das hat er ja 1:1 auf die Bühne gebracht. Der Niederrhein war überall, insofern war das ein Missverständnis der Moerser.“ Die (immerhin doch sehr liebevolle) Kritik am Kleinbürgerlichen wurde oft gleichgesetzt mit „der ist gegen Moers.“ Die Niederrhein-Programme waren vor allem am Niederrhein erfolgreich, im Süden wurden sie z.T. gar nicht gespielt. Die Programme galten intern als „Neben-Programme“, Hüsch spielte oft bis zu drei Programme gleichzeitig.

40 Jahre unterwegs (1988-1990)

Der Versuch, den prominenten Bühnenkünstler Hanns Dieter Hüsch in seinen vielen Facetten zu präsentieren, von den Niederrhein-Texten, über Hagenbuch, das politische Lied und die Parodie war alles in diesem sehr erfolgreichen Programm vertreten.

Feine Komödien – feine Tragödien (1990-1995)

Gleichzeitig zu diesem Programm kam Hüschs Autobiographie heraus – beides ergänzte sich gut. Kommerziell war es das erfolgreichste Programm von Hüsch.

Wir sehen uns wieder (1999-2001)

Das Programm, das zum letzten Programm wurde. Das letzte Programm, das geplant war, hätte „ da capo“ heißen sollen – aber dazu kam es nicht mehr. Bei seinem letzten Auftritt 2001 in Burscheid ist Hüsch wegen eines Schlaganfalls nicht mehr in der Lage, sein Programm zu Ende zu spielen. Alle noch geplanten Auftritte werden darauf hin abgesagt.

Das Gespräch mit Jürgen Kessler fand im Oktober 2010 in Mainz statt.

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